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Trotz und Eigensinn – Wutanfälle in früher Kindheit

Zwei Jahre ist es inzwischen her, seit mein Sohn das Licht der Welt erblickte und mit jedem Entwicklungsschritt prägt sich zunehmend der eigene Charakter heraus. Das ist auch gut so – spannend und unterhaltsam zugleich. Aktuell dürften wir in der Phase der kleinen Wutanfälle angekommen sein, die uns inzwischen nahezu täglich begegnen. Wir haben keinen Struwwelpeter. Insgesamt haben wir also mehr als Glück. Bisher zumindest. :) Rockos Wutanfälle halten sich absolut in Grenzen und wir haben Mittel und Wege gefunden, ihn aus diesen kleinen Eskapaden herauszulocken. Wir versuchen es hier mit Spaß und Ablenkung, was in den meisten Fällen auch prima funktioniert. Dennoch bin ich gespannt, welches Ausmaß ein kindlicher Wutanfall annehmen kann und mit welchen Tricks man diesem bestenfalls begegnet.

Heute Abend werde ich daher an dem Elternabend  „Trotz und Eigensinn“ – Wutanfälle in früher Kindheit teilnehmen, der von dem Quäker Nachbarschaftsheim in Köln organisiert wird. Die Quäker veranstalten regelmäßig kostenfreie Info-Abende rund um die Themen Entwicklung und Erziehung. 2017 habe ich hier bereits an dem erste Hilfekurs für Babys teilgenommen und war erstaunt, was sich seit meinem letzten Kurs zur Führerscheinprüfung alles getan hat.

Und – wie war der vortrag?

Spannend. Definitiv. Und ich versuche mal alles Hängengebliebene einigermaßen in Worte zu fassen.

Ein Kind im Alter von etwa zwei bis circa dreieinhalb Jahren befindet sich nicht etwa im Trotzalter – wie es damals umschrieben wurde, sondern vielmehr spricht man heute von einem Kind auf dem Weg zum Ich. Klingt doch gleich viel positiver. :) Es befindet sich also in der Phase der Ich-Entwicklung. Es benennt sich nicht mehr nur mit seinem Vornamen, sondern verwendet jetzt auch ganz bewusst das Ich. Diese Phase gehört zu den insgesamt vier Abkapselungsphasen, die ein Kind durchläuft. Die zweite Abkaspelungsphase ist die sog. kleine Pubertät (im Alter von etwa fünf Jahren), die dritte ist die große Pubertät (mit etwa 12/13 Jahren) und mit dem Auszug aus dem Elternhaus erfolgt dann schließlich die finale Abnabelung und die vierte Phase ist damit „überstanden“.

Der Begriff Abkapselung gibt bereits einen Aufschluss darüber, was mit dem Kind passiert, welche Prozesse es durchläuft und was in ihm vorgehen könnte. Das Kind bildete zuvor eine perfekte Symbiose mit seiner ersten Bezugsperson, i. d. R. ist das die Mutter. Jetzt erfährt es erstmalig, dass es eine eigenständige Person ist, ein Wesen mit eigenem Willen und eigenen Wünschen. Und dieses Bewusstsein gilt es nun zu erfahren. Das Kind möchte um alles in der Welt seine eigenen Pläne verwirklichen, z. B. ein Spiel zu Ende spielen, das Wasserglas auskippen oder das Quietsche-Entchen ins Klo werfen. Hierbei sollte man das Kind möglichst nicht oder wenn dann nur geschickt stören oder ablenken, denn die Unterbrechung des Spiels bzw. des harmlosen Plans, Grenzen und Regeln gehören zu den typischen Anlässen für Trotzanfälle. Weitere Auslöser sind unangemessene Forderungen, Machtkämpfe oder die Überschätzen der eigenen Fähigkeiten.

Wie kann ich diese Störungen vermeiden?

Frau Boos-Hammes ist überzeugt, dass sich die meisten Trotzreaktionen und die daraus resultierenden Wutanfälle bereits im Vorfeld mit ein paar einfachen Tricks vermeiden lassen:

  • Auf Sprache und Formulierungen achten.
    Wir neigen dazu Nein zu sagen. Auch wenden wir häufig die „Nicht-Formulierung“ an.
    Du sollst das Wasser nicht umkippen. Du sollst das Buch nicht werfen. 
    Kinder U3 überhören dieses Nicht und nehmen in der Regel nur ein Objekt und ein Verb wahr. Demzufolge lauten die Forderungen in den Ohren des Kindes:
    Wasser umkippen. Buch werfen.
    Frau Boos-Hammes rät, die eigenen Wünsche ins Positive zu wandeln und dem Kind bestenfalls vorzuführen (Vorbild nutzen).
    Stell das Wasser auf den Tisch. Leg das Buch hier hin.
  • Kindern Orientierung geben .
    Ältere Geschwisterkinder oder Spielgefährten in der KiTa sind häufig die besten Erzieher. Und natürlich spiel auch das Verhalten der Eltern eine entscheidende Rolle. Diese Vorbildfunktion sollten wir stets im Hinterkopf haben und dem Kind das Wunschverhalten nicht nur wörtlich vermitteln, sondern insbesondere auch Vorleben. Gemeinsames Zähneputzen vor dem Spiegel macht dem Kind weitaus mehr Spaß, als ihm einfach den Gegenstand ungesehen in den Bund zu stecken.
  • Die Grundbedürfnisse des Kindes beachten.
  • Alternativen anbieten.
  • Dem Kind Zeit geben.

Klingt alles selbstverständlich? Ja, allerdings sieht die Umsetzung im Alltag manchmal anders aus. Mir ist es beispielsweise nicht immer möglich, meinem Kind ausreichend Zeit einzuräumen. Insbesondere dann nicht, wenn der Mittagsschlaf mal wieder einen neuen Rhythmus findet und ich unter Zeitdruck stehe. Kleinen Nörgeleien begegne ich dann häufig mit Spaß oder ich greife den Punkt „Alternativen anbieten“ auf. Hier zeigt sich oft, dass mein Kind durch die angebotene Alternative meiner eigentlichen Forderung (z. B. Jacke anziehen)  nicht mehr all zu viel Aufmerksamkeit schenkt.


Elternabend „Trotz und Eigensinn“ – Wutanfälle in früher Kindheit
Montag, 19.02.18 19.30 – 21.30 Uhr Dozentin: Irmgard Boos-Hammes, Dipl.-Sozialpädagogin
Trotz ist vermeidbar, mit dem Eigen(en)sinn unserer Kinder müssen wir leben – wie anstrengend auch immer es sein mag. Was aber unterscheidet Trotz von Eigensinn, und wie kann ich Trotzanfällen vorbeugen und dem eigensinnigen Verhalten meines Kindes begegnen

Quäker Nachbarschaftsheim e. V.
Kreutzerstr. 5-9
50672 Köln
www.quaeker-nbh.de